Großformatige Ölmalerei – figürlich, politisch, unverkennbar. Ralf Binnewies malt das Kollektiv: Fans, Massen, Momente des Zusammenseins.
Ralf Binnewies · Öl auf Leinwand
Bielefeld · seit 1975
Ralf Binnewies malt Menschen – besser: Menschengruppen, in denen der Einzelne mitunter gar nicht als Individuum identifizierbar ist, sondern als Teil der Masse in einer nahezu undefinierbaren malerischen Einheit verschwindet.
Diese Motive finden sich in Fernsehen, Internet oder Zeitungen, in Bildern von Zuschauerrängen kultureller und sportlicher Veranstaltungen oder von politischen Kundgebungen – als im Grunde gleichförmiges und austauschbares illustratives Beiwerk des jeweiligen medienrelevanten Ereignisses.
Diese gewohnte Wahrnehmung kehrt Ralf Binnewies komplett um: Thema und Protagonist seiner Bilder ist eben die Masse der Zuschauer, während das Ereignis selbst, das ja überhaupt der Anlass ist, dass sich viele Menschen zusammenfinden, für ihn weitgehend unerheblich ist. Im malerischen Prozess verunklärt er den Kontext teilweise sogar so, dass die Komposition selber eine abstrakt-ungegenständliche Anmutung erhält: Die Menschen, die eigentlichen Motive, sind nunmehr auf fast pointillistisch anmutende Farbflecken reduziert, die gesamte Bildfläche wird zu einem malerischen, teilweise bis über den Bildrand hinaus fortsetzbaren Allover aus Farbe, Fläche und Form.
Beim Malen nimmt Ralf Binnewies einerseits eine distanzierte, beobachtende und registrierende Haltung ein. Sein Interesse – malerisch gesehen – gilt zunächst der Positionierung der Menschen innerhalb der Masse, damit also den formalen Strukturen, die sie bilden, und den Formen und dem Raum, die sie damit ausprägen. Im selben Maß aber taucht er gleichsam selbst in die Masse ein – denn „beim Malen bin ich drin“, beschreibt der Maler –, zieht den Betrachter gewissermaßen mit hinein und aktiviert so eine Form von Integration in das, was Thema seiner Bilder ist: die Masse und das Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz.
Tanja Kemmer, Kunsthistorikerin
»Ich male keine Stadien – ich male das, was Menschen füreinander bedeuten, wenn sie zusammen sind.«
Ralf Binnewies, geboren 1957 in Osnabrück, lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in Bielefeld. Sein malerisches Werk ist untrennbar mit dem Thema des kollektiven Erlebens verbunden – Menschenmassen bei Sportveranstaltungen, Passanten auf urbanen Plätzen, anonyme Gruppen im öffentlichen Raum.
Seit 1975 malt er in Öl auf Leinwand. Großformate sind sein bevorzugtes Medium – sie schaffen eine Präsenz, die über das Abgebildete hinausgeht. Als Mitglied des BBK Ostwestfalen-Lippe ist er in der regionalen und überregionalen Kunstszene verankert.
Seit seiner Begegnung mit dem Fußball als soziales Phänomen zieht Ralf Binnewies die Energie kollektiver Erfahrung in seine großformatigen Ölgemälde.
Fans auf der Tribüne, Passanten auf der Straße, Fahrer im Getümmel des Rennens – das Individuum im Strom der Masse ist sein zentrales Thema. In akribischer Pinselarbeit entstehen Figuren, die gleichzeitig erkennbar und anonym sind.
»Die Menge sieht man – den Menschen erkennt man.«
Die Monumentalität der Bilder – teils mehrere Meter breit – verstärkt diesen Effekt. Man steht vor ihnen wie vor einem Stadionpanorama: überwältigt, einbezogen, beobachtend. Jedes Werk ist ein Dokument über Zugehörigkeit und Entfremdung zugleich.
Binnewies malt realistisch, aber nie fotorealistisch – die Leinwand bleibt spürbar, das Malerische bewusst. Was ihn interessiert, ist die psychische Energie einer Szene, nicht ihre dokumentarische Wiedergabe.
Alle Werke sind verkäuflich. Für Preisanfragen, Ausstellungskooperationen oder einen Atelierbesuch in Bielefeld nehmen Sie gerne Kontakt auf.